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Delitzsch-Compact

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Die beiden Delitzscher Eisenbahn-Wasserstationen von 1858  Ein Beitrag zum Tag des offenen Denkmals:

Delitzsch-Compact: Die beiden Delitzscher Eisenbahn-Wasserstationen von 1858 Ein Beitrag zum Tag des offenen Denkmals:

Artikel vom:08.09.2020
Mit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Bitterfeld – Delitzsch – Leipzig am 1. Februar 1859 hatte die Berlin-Anhaltische Eisenbahngesellschaft ihre durchgehende Bahnverbindung Berlin Leipzig fertiggestellt. Auch Delitzsch erhielt einen Bahnhof und damit Anschluss an die große weite Welt.

Da die ersten Dampflokomotiven noch recht klein waren und ihre VorrĂ€te an Kohle und Wasser im Laufe ihrer Fahrt oft ergĂ€nzen mussten, erhielt der Bahnhof in Delitzsch neben EmpfangsgebĂ€ude und GĂŒterschuppen auch an jedem Ende des BahnhofsgelĂ€ndes eine Wasserstation. Je nach Fahrtrichtung befand sich die Lokomotive entweder am nördlichen oder am sĂŒdlichen Ende des am Bahnsteig haltenden Zuges und konnte so entweder an der nördlichen oder an der sĂŒdlichen Wasserstation ihre WasservorrĂ€te ergĂ€nzen.

In der ersten Etage jeder Wasserstation befand sich ein großer WasserbehĂ€lter aus Metall, von welchem ein Rohr durch die GebĂ€udewand nach außen fĂŒhrte. Dieses Rohr besaß ein Gelenk und konnte somit ins Streckengleis eingeschwenkt werden, um den Tender der Lokomotive mit Wasser zu befĂŒllen. Um das schwenkbare Rohr recht kurz zu halten, erbaute man die Wasserstationen sehr dicht am Streckengleis.



Im GebÀude befand sich eine Pumpe. Diese wurde per Muskelkraft mittels eines Handrades angetrieben und beförderte aus einem Brunnen frisches Wasser in den WasserbehÀlter.



Schnell merkte man, dass die Wassererhitzung zur Dampferzeugung in den Lokomotivkesseln zu Ablagerungen fĂŒhrte, wie wir sie heute von Wasserkochern oder Kaffeemaschinen kennen. Um den Lokomotiven möglichst schon entkalktes Wasser zuzufĂŒhren, war im Erdgeschoss der Wasserstation ein dickes mit Chemikalien befĂŒllbares VorwĂ€rmer-Rohr ĂŒber einer Feuerstelle schrĂ€g eingebaut. Durch die WĂ€rme des Feuers zirkulierte das Wasser zwischen VorwĂ€rmer und WasserbehĂ€lter durch kleinere Rohrleitungen und mittels der Chemikalien wurden die Schadstoffe im VorwĂ€rmer ausgefĂ€llt.



Im Laufe der Zeit wurden die Lokomotiven immer grĂ¶ĂŸer, arbeiteten effektiver und fĂŒhrten mehr VorrĂ€te mit sich, so dass eine Bevorratung mit Wasser und Kohle von Bitterfeld bis Leipzig reichte. Die Wasserstationen in Delitzsch wurden nicht mehr benötigt.



Die sĂŒdliche Wasserstation an der Beerendorfer Straße diente nun als Badehaus. Als um 1900 direkt daneben ein Stellwerk errichtet wurde, trug man den erhöhten Mittelteil der Wasserstation ab, da dieser die Sicht vom Stellwerk auf die Gleise versperrte. Bis 1993 waren darin die RelaisschrĂ€nke der Streckensteuerung untergebracht und seitdem steht dieses, noch immer der Deutschen Bahn gehörende GebĂ€ude leer.



Die nördliche Wasserstation an der DĂŒbener Straße diente der Bahnmeisterei Delitzsch bis 1995 als Magazin und Schmiedewerkstatt. Als 1998 die gesamte umliegende FlĂ€che fĂŒr den Bau der Bahnhofspromenaden berĂ€umt wurde, blieb dieses GebĂ€ude stehen. Trotz des Denkmalschutzes wurden jedoch die historischen Sprossenfenster und die Inneneinrichtung mit originalen TĂŒren, eiserner StĂ€nderbohrmaschine, Schmiedefeuer und Amboss herausgerissen. Seit dieser Zeit gehört die nördliche Wasserstation den EigentĂŒmern der Bahnhofspromenaden, die schon mehrfach gewechselt haben und denen es bis heute leider nicht gelungen ist, dieses leerstehende GebĂ€ude einer sinnvollen Nutzung zuzufĂŒhren.



Als Baudenkmale sind die beiden Delitzscher Wasserstationen von 1858 so besonders wertvoll, da sie zu den ganz wenigen Wasserstationen gehören, die aus der Anfangszeit der Eisenbahn noch erhalten sind. So gut wie alle anderen dieser kleinen Wasserstationen wurden recht bald beseitigt, da Baufreiheit fĂŒr die Erweiterung der Bahnhöfe geschaffen werden musste oder weil an ihrer Stelle grĂ¶ĂŸere Wasserstationen mit WassertĂŒrmen erbaut wurden.



Diese beiden Wasserstationen sind steinerne Zeugen eines wichtigen Zeitabschnittes der Delitzscher Stadtgeschichte, dem Start ins Eisenbahnzeitalter!



Hartmut Schöttge
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