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Delitzsch-Compact

Infos aus Nordsachsen und Umgebung


Corona-Hotline wird erweitert, Busverkehr sichert SchĂŒlerbetreuung

Delitzsch-Compact: Corona-Hotline wird erweitert, Busverkehr sichert SchĂŒlerbetreuung

Artikel vom:24.03.2020
Immer mehr Menschen werden zur EindĂ€mmung der Corona-Pandemie in hĂ€usliche QuarantĂ€ne geschickt. Stand heute (24.03.20) sind davon in Nordsachsen 312 Personen betroffen. Dabei handelt es sich im Unterschied zur privaten Entscheidung fĂŒr eine Isolation in den eigenen vier WĂ€nden beziehungsweise zu den vom Freistaat erlassenen AusgangsbeschrĂ€nkungen um eine vom Gesundheitsamt angeordnete QuarantĂ€ne. An diese mĂŒssen sich neben den tatsĂ€chlich Infizierten vor allem auch Kontaktpersonen und AnsteckungsverdĂ€chtige nach den Richtlinien des Robert-Koch-Institutes halten. Die Betroffenen bekommen dazu per Einwurf-Einschreiben einen amtlichen Bescheid, in dem die Dauer der „hĂ€uslichen Absonderung“ (in der Regel zwei Wochen), die GrĂŒnde, Verhaltensregeln und Strafen bei VerstĂ¶ĂŸen benannt sind.

Wem hĂ€usliche QuarantĂ€ne verordnet wurde, der muss zweimal tĂ€glich die Körpertemperatur messen, die Werte in einem Tagebuch vermerken und auf Krankheitssymptome – insbesondere Fieber und Atemprobleme – achten. Sollten diese auftreten, ist umgehend das Gesundheitsamt zu informieren. Außerdem sind die Namen aller Personen, mit denen unvermeidbar Kontakt bestand (inklusive Dauer), schriftlich zu dokumentieren. „Die Begegnungen innerhalb der hĂ€uslichen Gemeinschaft sollten möglichst minimiert werden“, empfiehlt Amtsarzt Klaus Wallmann. „RĂ€umliche Trennung ist wichtig, ebenso die zeitlich versetzte Nutzung beispielsweise von KĂŒche oder Bad. Und die Wohnung immer gut durchlĂŒften!“

Mindestens einmal am Tag meldet sich das Gesundheitsamt telefonisch zur Kontrolle und Beratung. Am Anfang und Ende der hĂ€uslichen QuarantĂ€ne steht außerdem der Rachenabstrich fĂŒr den Labortest auf das Virus.

Bei ihren Anrufen haben die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes auch erfahren, dass die Nachbarschaftshilfe in Nordsachsen sehr ausgeprĂ€gt ist. „Keiner wird im Stich gelassen, sondern von anderen mitversorgt. Das ist erfreulich und auch risikolos: EinkĂ€ufe können nach Absprache einfach vor die TĂŒr gelegt werden“, so Klaus Wallmann.

Zur Zwangsvollstreckung gezwungen war das Amt bislang nicht. Empfindliche Geldstrafen bis hin zur Androhung von Freiheitsstrafen sieht der Gesetzgeber bei VerstĂ¶ĂŸen gegen den Vollzug des Infektionsschutzgesetzes vor. „Ich gehe davon aus, dass die Menschen in Nordsachsen verstanden haben, dass es hier um unser aller Wohl geht“, sagt Landrat Kai Emanuel (parteilos).

Vor einer Woche (17.03.20) waren im Landkreis Nordsachsen noch fĂŒnf bestĂ€tigte Corona-Infektionen zu verzeichnen, 46 Menschen befanden sich in QuarantĂ€ne. Inzwischen sind es 20 FĂ€lle und 312 QuarantĂ€ne-Anordnungen. „Die Zahlen an sich mögen vergleichsweise gering wirken, das Tempo der Vervielfachung aber zwingt uns zu raschem und entschlossenem Handeln. Dazu gehören auch deutlich mehr Beprobungsstellen als bisher. Denn das ist der große Unterschied zu bisherigen Viren: Covid-19 breitet sich rasend schnell aus“, so der Landrat. „Dass 80 Prozent der Erkrankungen einen milden Verlauf nehmen und viele Menschen gar keine Symptome wahrnehmen werden, kann keine Beruhigung sein. Ebenso wenig, dass sich laut Virologen etwa zwei Drittel der Bevölkerung anstecken mĂŒssen, um eine ausreichende Immunsierung zu erreichen. Der Punkt ist: Wir mĂŒssen diesen Prozess deutlich verlangsamen, damit unsere Kliniken nicht an ihre KapazitĂ€tsgrenzen stoßen, sondern alle Schwerkranken gleichermaßen qualifiziert behandeln können.“
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